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Optionsstrategien

Optionsstrategien: Bear Call Spread und Bull Put Spread

Nachdem ich in den letzten Beiträgen etwas auf die Praxis des Optionshandels eingegangen bin, wird es nun wieder Zeit für die Theorie. Aber keine Sorge, dies soll keine akademische Abhandlung über den Optionshandel werden…

Ich werde in nächster Zeit eine Artikelserie zu verschiedenen Optionsstrategien veröffentlichen. Insbesondere für Anfänger könnte die Artikelserie interessant sein, da diese in der Regel meist ausschließlich Cash Secured Puts oder Covered Calls handeln. Solltest du dir jetzt denken: „nö, ich handele meist nur nackte Optionen„, dann lege ich dir umso mehr ans Herz dir die kommende Artikelserie durchzulesen.

Auch wenn die Optionsstrategien oft kompliziert klingende Namen wie Bear Call Spread, Bull Put Spread, Short Strangle oder Iron Condor haben, so kann ich dir bereits jetzt versichern, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Also lehn dich zurück und dann fangen wir auch schon an:

Bear Call Spread

Wie der Name dieser Strategie vermuten lässt („Bear“ = „bearish“ = fallende Kurse) geht der Händler von zukünftig fallenden Kursen aus. Als Stillhalter kauft er nun jedoch keinen Put, um am vermuteten Kursverfall zu partizipieren, sondern er verkauft einen Call, um die Optionsprämie zu vereinnahmen. Zur Absicherung des verkauften Calls (Short Call) kauft er noch einen Call (Long Call) hinzu. Daraus ergibt sich der „Spread“ im Namen dieser Strategie.

Klingt vermutlich etwas kompliziert, daher kommen wir zur Verdeutlichung direkt zu einem Beispiel:

Vertical Spread
Tradingview.com (Screenshot) | Keine bezahlte Werbung

Am 10.08.2021 (siehe: Pfeil) entschließt sich der Händler einen Bear Call Spread auf den im Bild ersichtlichen Basiswert zu handeln, da er von künftig fallenden Preises des Underlyings ausgeht. Hierfür geht er wie folgt vor:

  1. Verkauf eines Calls (Short Call) mit Strikeprice 28,00 EUR
  2. Kauf eines Calls (Long Call) mit Strikeprice 29,00 EUR

Wichtig ist, dass die Restlaufzeit des Short Call sowie des Long Call identisch ist.

Für den Verkauf des Calls erhält der Händler eine Optionsprämie von z.B. 100 EUR. Für den Kauf des Calls, also seine Absicherung, zahlt er z.B. 30 EUR Prämie. Unterm Strick hat er durch den Bear Call Spread also eine Optionsprämie von 70 EUR vereinnahmt.

Sollte der Kurs nun, wieso auch immer, „explodieren“ und durch die Decke gehen, würde der Händler hier maximal die Differenz zwischen dem Short Call und dem Long Call verlieren, also 1 EUR x 100 Aktien = 100 EUR.

Würde der Händler hingegen einen nackten Call verkaufen und hätte keinen Call zur Absicherung gekauft, hätte er zwar 100 EUR Optionsprämie vereinnahmt, da er keine 30 EUR für einen Long Call ausgeben muss, hätte im Gegenzug jedoch ein unbegrenztes Verlustrisiko, da die Preise nach oben hin (theoretisch) unbegrenzt steigen können.

Gerade im Aktienmarkt, insbesondere bei US-Aktien, sind Kurslücken (sog. Gaps) keine Seltenheit. Daher würde ich jedem der den Optionshandel seriös und langfristig betreiben will dazu raten dies ausschließlich mit einer Absicherung zu tun, um kein unbegrenztes Risiko einzugehen.

Wie du siehst, handelt es sich bei einem Bear Call Spread lediglich um eine Kombination eines Short Call und eines Long Call. Sofern du die Grundlagen des Optionshandels verstanden hast, kannst du diese Strategie also ganz einfach in der Praxis anwenden, um dein Risiko zu begrenzen.

Bull Put Spread

Kommen wir nun zum Gegenstück des Bear Call Spread, dem Bull Put Spread. Wie du vermutlich richtig vermutest, geht der Händler in diesem Fall von zukünftig steigenden Kursen aus („Bull“ = „bullish“ = steigende Kurse). Jedoch kauft er als Stillhalter hier keinen Call, um an einem möglichen Kursanstieg zu partizipieren sondern er verkauft einen Put, um die Optionsprämie zu vereinnahmen. Gleichzeitig kauft er einen Put, um sein Risiko zu reduzieren. Hierdurch ergibt sich, wie bereits beim Bear Call Spread, die Bezeichnung „Spread“ im Namen dieser Optionsstrategie.

Kommen wir auch hier zur besseren Verdeutlichung zu einem konkreten Beispiel:

Vertical Spread
Tradingview.com (Screenshot) | Keine bezahlte Werbung

Am 06.08.2021 (siehe: Pfeil) entscheidet sich der Händler einen Bull Put Spread auf dem im Bild ersichtlichen Basiswert zu handeln, da er von zukünftig steigenden Kursen ausgeht.

Hierfür geht er wie folgt vor:

  1. Verkauf eines Put (Short Put) mit Strikeprice 98,00 USD
  2. Kauf eines Put (Long Put) mit Strikeprice 95,00 USD.

Auch hier ist wichtig, dass die Restlaufzeit der Short Put sowie des Long Put identisch ist.

Für den Verkauf des Puts erhält der Händler nun eine Optionsprämie in Höhe von 180 USD. Für den Kauf des Puts, also für seine Absicherung, zahlt er hingegen eine Optionsprämie in Höhe von 60 USD. Im Ergebnis erhält er also für den Bull Put Spread eine Optionsprämie von 120 USD, bei gleichzeitig begrenztem Risiko.

Durch den gleichzeitigen Kauf sowie Verkauf eines Puts begrenzt der Händler sein Risiko auf die Differenz der beiden Strikes. In diesem Falls also auf 98 USD – 95 USD = 3 USD x 100 Aktien = 300 USD.

Würde er hingegen einen nackten Put verkaufen und das Underlying würde (wieso auch immer) abrupt fallen (z.B. starkes Down-Gap aufgrund schlechter News, schlechter Quartalszahlen, Corona-Pandemie, Insolvenz á la Wirecard etc.) wäre sein Risiko um ein Vielfaches höher. Im schlimmsten Fall würde sich sein Verlust auf 98 USD x 100 Aktien = 9.800 USD – 120 USD Optionsprämie = 9.680 USD belaufen, wenn der Basiswert auf 0 USD fallen würde.

Bear Call Spread und Bull Put Spread: Vorteile und Nachteile

Vorteile

Wie du gesehen hast, bietet sowohl der Bear Call Spread also auch der Bull Put Spread eine deutliche Risikoreduzierung gegenüber einem reinen Short Put oder einem reinen Short Call.

Durch den zusätzlichen Kauf eines Puts bzw. eines Calls gehst du mit deiner Position also kein unkalkulierbares Risiko mehr ein!

Nachteile

Durch den zusätzlichen Kauf eines Calls bzw. eines Puts zur Absicherung fällt natürlich die Optionsprämie unterm Strich etwas geringer aus. Persönlich bin ich jedoch der Ansicht, dass ich diesen Nachteil gerne in Kauf nehme, um den „Tod meines Depots“ möglichst zu verhindern.

Fazit

Insgesamt handelt es sich hierbei um relativ einfache Optionsstrategien, welche dazu geeignet sind ein unkontrolliertes Verlustrisiko auszuschließen. Daher können beide Strategien, sofern die Grundlagen des Optionshandels verstanden wurden, auch von Anfängern einfach umgesetzt werden.

2 Antworten auf „Optionsstrategien: Bear Call Spread und Bull Put Spread“

Ja, da hast du theoretisch recht.
Das Problem was ich sehe ist, dass Steuerberatung nur Steuerberatern vorenthalten ist.
Da stellt sich die Frage, ab wann „Steuerberatung“ beginnt. Da ich den Blog als privates Hobby betreibe, habe ich nicht unbedingt Lust mir Ärger wegen „Steuerberatung als Nicht-Steuerberater“ einzufangen 😉
Nichtsdestotrotz bin ich aktuell dran mich zu erkundigen, was man als Nicht-Steuerberater zum Thema Steuern öffentlich äußern darf. Ggf. folgt, sofern zulässig, bald dann ein Beitrag zum Thema „Steuern beim Optionshandel“.
Gruß
Max

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