Grundlagen des Optionshandels

Was ist eine Option?

Bevor wir genauer darauf eingehen was eine Option ist, solltest du zunächst wissen, was eine Option nicht ist. Denn: Eine Option ist kein Optionsschein! Häufig gehen Anfänger davon aus, dass eine Option und ein Optionsschein ein und das selbe ist. Wie du im Verlauf noch sehen wirst, ist dies jedoch nicht der Fall. Optionen haben nämlich deutliche Vorteile gegenüber Optionsscheinen.

Kommen wir nun jedoch erstmal dazu, was eine Option ist:

Eine Option gibt dir das Recht (aber nicht die Pflicht) einen bestimmten Basiswert (z.B. eine Aktie) zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Beispiel zum Optionshandel

Da diese Definition etwas verwirrend wirkt, hier ein kurzes Beispiel:

  • Bauer B baut Zucker an.
  • Verarbeiter V benötigt Zucker als Rohstoff für seine Produktion (z.B. ein Süßwarenhersteller).

Bauer B geht aufgrund von einer möglichen globalen Überproduktion an Zucker davon aus, dass der Zuckerpreis in Zukunft stark fallen könnte. Im schlimmsten Fall könnte der Zuckerpreis so stark fallen, dass Bauer B durch den Verkauf des Zuckers nicht mal seine Herstellungskosten gedeckt bekommt.

Um sich und seinen Betrieb vor den schlimmsten Erwartungen zu bewahren, möchte Bauer B sich nun vor fallenden Zuckerpreisen absichern. Hierfür kauft Bauer B eine Option. Bauer B ist also Käufer der Option. Durch den Kauf einer Option sichert sich der Bauer das Recht seinen Zucker zu einem Mindestpreis in der Zukunft zu verkaufen. Die Option könnte wie folgt ausgestaltet sein:

  • Menge: 50 Tonnen Zucker
  • Preis: 17.500 EUR (Basispreis)
  • Zeitpunkt: Juni
  • Prämie: 500 EUR (Optionsprämie)

Verarbeiter V verpflichtet sich nun 50 Tonnen Zucker zu 17.500 EUR im Juni abzunehmen sofern Bauer B von seinem Recht Gebrauch machen möchte. Verarbeiter V nimmt bei diesem Geschäft die Position des Verkäufers der Option ein. Der Verkäufer der Option wird auch Stillhalter genannt. Verarbeiter V stellt für Bauer B also eine Art Versicherung dar.

Das Risiko was Verarbeiter V nun eingeht ist, dass der Zuckerpreis im Juni niedriger steht (z.B. bei 15.000 EUR für 50 Tonnen) er sich jedoch ggü. Bauer B dazu verpflichtet hat 50 Tonnen zu 17.500 EUR abzunehmen. Verarbeiter V müsste Bauer B im Juni also mehr zahlen als er zu diesem Zeitpunkt am Markt zahlen würde. Da Verarbeiter V hiermit das Risiko eingeht in Zukunft mehr zahlen zu müssen erhält Verarbeiter V von Bauer B eine Prämie in Höhe von 500 EUR gezahlt.

Kommen wir nun zu den Szenarien welche im Juni eingetreten sein können:

Szenario 1: Zuckerpreis fällt auf 15.000 EUR

Sofern der Zuckerpreis wie von Bauer B befürchtet auf 15.000 EUR fällt, wird Bauer B von seinem Recht Gebrauch machen und Verarbeiter V den Zucker zu 17.500 EUR liefern.

Bauer B hat also den Vorteil nicht vom Preisverfall des Zuckers betroffen zu sein. Verarbeiter V ist verpflichtet die 50 Tonnen Zucker zu den 17.500 EUR abzunehmen. Hierfür hat er im Vorfeld eine Prämie von Bauer B in Höhe von 500 EUR gezahlt bekommen.

Verarbeiter V macht also einen Verlust von 2.000 EUR (2.500 EUR Preisdifferenz – 500 EUR erhaltene Prämie). Die Optionsprämie darf Verarbeiter V also in jedem Fall erhalten.

Szenario 2: Zuckerpreis steigt auf 20.000 EUR

Sollte der Zuckerpreis entgegen der Annahme von Bauer B nicht fallen sondern auf 20.000 EUR steigen, so wird Bauer B nicht von seinem Recht Gebrauch machen und seinen Zucker an Verarbeiter V für 17.500 EUR verkaufen, da er am freien Markt hierfür 20.000 EUR erhält.

In diesem Fall ist Bauer B lediglich sein Optionsprämie, welche er an Verbraucher V gezahlt hat, los. Verbraucher V freut sich zudem über die erhaltene Optionsprämie, welche er vereinnahmen konnte ohne von Bauer B in die Pflicht genommen worden zu sein.

Optionsarten

Prinzipiell gibt es nur zwei Arten an Optionen, nämlich

  • Call-Optionen (auch: Kaufoption) und
  • Put-Optionen (auch: Verkaufsoption).

Soweit so gut…

Allerdings gibt es noch den Käufer und den Verkäufer einer Call-Option sowie den Käufer und den Verkäufer einer Put-Option. Demnach gibt es also die nachfolgenden vier Varianten:

Long-Call

Käufer einer Call-Option, geht von steigenden Preisen aus

Short-Call

Verkäufer (Stillhalter) einer Call-Option, geht von nicht stark steigenden Preisen aus (also Seitwärtsphase oder leicht fallende Preise)

Long-Put

Käufer einer Put-Option, geht von fallenden Preisen aus

Short-Put

Verkäufer (Stillhalter) einer Put-Option, geht von nicht stark fallenden Preisen aus (also Seitwärtsphase oder leicht steigende Preise)

 

Wo und wie werden Optionen gehandelt?

Optionen werden an Terminbörsen gehandelt (z.B.: EUREX oder CBOE). Wenn du Optionen handeln möchtest, benötigst du also einen Broker der dir den Optionshandel ermöglicht.

Als Basiswert (auch: Underlying) stehen diverse Produkte zur Verfügung. So kannst du mit Optionen beispielsweise an der Preisentwicklung von Aktien oder Rohstoffen teilhaben.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass Optionen standardisiert gehandelt werden, um eine möglichst hohe Liquidität zu gewährleisten. Die Standardisierung erfolgt z.B. hinsichtlich der Kontraktanzahl des Underlyings oder der Laufzeit. Eine Aktienoption z.B. umfasst 100 Aktien. Kaufst du also beispielsweise einen Long Call auf Apple, so liegt dem Geschäft nicht nur eine Apple-Aktie sondern 100 Apple-Aktien zugrunde.

Was ist der Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein?

Häufig greifen Anfänger zu Optionsscheinen statt zu Optionen und denken, dass Optionen und Optionsscheine identische Produkte sind. Dem ist jedoch nicht so! Nachfolgend ein kurzer Überblick zu den Unterschieden zwischen einer Option und einem Optionsschein:

  Option Optionsschein
Standardisiertes Finanzprodukt Ja Nein
Handelsplatz Börse Over the Counter/Direkthandel
Stillhalterposition möglich Ja Nein
Emittentenrisiko Nein Ja
Preisbildung Durch Angebot und Nachfrage Durch Emittent

Wie du siehst, haben Optionsscheine gegenüber Optionen gleich mehrere Nachteile:

  1. Es ist keine Stillhalterposition möglich. Dadurch kann man mit Optionsscheinen – im Gegensatz zu Optionen – keinen regelmäßigen Cashflow durch den Verkauf von Optionen an der Börse erzielen. Die Stillhalterposition bei einem Optionsschein nimmt immer die Bank ein. Dies sollte zum Nachdenken anregen…
  2. Im Gegensatz zu Optionen haben Optionsscheine ein Emittentenrisiko. Mit einem Optionsschein handelst du gegen die Bank! Geht die Bank insolvent, dürfte es erstmal schwer werden an dein Geld zu kommen. Bei Optionen erfolgt die Absicherung des Kontrahentenrisikos hingegen durch die Börse/Clearingstelle.
  3. Ein weiterer großer Nachteil von Optionsscheinen ist zudem, dass die Preisbildung bzw. Kursstellung durch die Bank erfolgt. Du handelst also nicht nur gegen die Bank sondern die Bank stellt auch den Kurs. Um es freundlich auszudrücken: Es liegt also ein mehr als großer Interessenskonflikt vor!

Ob es ein Nachteil ist, dass Optionsscheine im Vergleich zu Optionen nicht standardisiert sind, muss jeder für sich entscheiden. Für den einen ist es ein Vorteil, für den anderen ist es ein Nachteil.

Was beeinflusst die Höhe der Optionsprämie?

Um sich an der Börse einen regelmäßigen Cashflow durch den Optionshandel aufzubauen müssen wir die Position eines Stillhalters einnehmen (wie der o.g. Verarbeiter V). Wir sind also Verkäufer einer Option (Short Call oder Short Put).

Dadurch das wir der Stillhalter sind und die Versicherung des Käufers der Option (wie der o.g. Bauer B) darstellen, erhalten wir vom „Versicherungsnehmer“, also dem Käufer der Option, eine Optionsprämie. Ebenso wie eine Versicherung vom Versicherungsnehmer eine Versicherungsprämie erhält…

Nun stellst du dir vermutlich die Frage, wie hoch denn die Optionsprämie ist, die du als „Versicherungsunternehmen“ erhältst, um dich dazu zu verpflichten deinem „Versicherungsnehmer“ in der Zukunft seine Aktien zu Preis X abzunehmen.

Wie du dir denken kannst, gibt es hierdrauf keine pauschale Antwort á la „du erhältst jedes Mal 100 EUR„. Die Höhe der Optionsprämie, die der Käufer der Option dir zahlen muss, ist nämlich von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig. Da das Risiko für dich jedes Mal ein anderes ist, ist es nur logisch, dass auch die Optionsprämie jedes Mal eine andere ist. Schließlich soll erhaltene Optionsprämie und eingegangenes Risiko in einer verhältnismäßigen Relation stehen.

Die Optionsprämie wird von den nachfolgenden Faktoren beeinflusst:

Innerer Wert

Der innere Wert der Option ergibt sich durch die Differenz zwischen dem aktuellen Preis des Basiswertes (z.B. einer Aktien) und dem vereinbarten Ausübungspreis (auch: Strikepreis genannt).

Klingt zunächst etwas verwirrend, ist jedoch, wenn du dir den Satz einmal durch den Kopf gehen lässt, durchaus nachvollziehbar.

Stell dir vor eine Aktie steht derzeit bei 150 EUR. Du verkaufst einen Put – bist also Short Put – mit Ausübungspreis 120 EUR und Laufzeit 2 Wochen. Fällt der Aktienkurs beispielsweise auf 100 EUR, bist du dazu verpflichtet dem Käufer der Option die Aktien zu den vereinbarten 120 EUR abzunehmen. In diesem Beispiel ist die Option Out of the Money, da der aktuelle Kurs über den vereinbarten Ausübungspreis liegt.

Stell dir nun jedoch vor die Aktie steht derzeit bei 100 EUR, du bist wieder Stillhalter der Option, die Restlaufzeit beträgt ebenfalls 2 Wochen und der Ausübungspreis liegt auch bei 120 EUR. Dann könnte der Käufer der Option sofort von seinem Recht Gebrauch machen und dieses ausüben. Du müsstest ihm dann die Aktien zu 120 EUR abnehmen obwohl diese derzeit am Markt bei 100 EUR stehen. In diesem Beispiel ist die Option In the Money, da der aktuelle Kurs unter dem vereinbarten Ausübungspreis liegt.

Insofern sollte es nachvollziehbar sein, dass der Innere Wert einer Option den Optionspreis bzw. die Höhe der Optionsprämie beeinflusst.

Zeitwert

Der Zeitwert stellt die Restlaufzeit einer Option dar und preist diese mit ein. Wie du dir sicherlich denken kannst erhöhen längere Laufzeiten die Optionsprämie, da längere Laufzeiten zu einer schlechteren Planbarkeit für den Optionsverkäufer führen wodurch diesem höhere Risiken entstehen. Diese höheren Risiken sind also auch in die Optionsprämie mit einzupreisen.

Wissen solltest du hierzu, dass die Optionsprämie nicht linear sondern exponentiell fällt, je kürzer die Restlaufzeit der Option wird. Der Zeitwertverlust beginnt ab 45 Tagen an zu steigen. Ab 30 Tagen Restlaufzeit steigt der Zeitwertverlust stark an. Dies liegt einfach daran, dass je kürzer die Restlaufzeit ist der Kurs des Basiswertes weniger Zeit hat sich in die gewünschte Richtung zu entwickeln.

Volatilität

Die Volatilität bzw. die implizierte Volatilität, also die erwartete Schwankungsbreite, beeinflusst den Optionspreis (aus Käufersicht) bzw. die Optionsprämie (aus Verkäufersicht) ebenfalls. Je höher die implizierte Volatilität ist, desto höher ist das Risiko für den Stillhalter, desto höher muss demnach die Optionsprämie ausfallen.

Call-Optionen

Long-Call

Wie oben bereits kurz ausgeführt gibt dir ein Long-Call das Recht einen bestimmten Basiswert in der Zukunft zu einem vorab vereinbarten Preis zu kaufen. Wichtig ist hier nochmals zu erwähnen, dass du mit einem Long-Call das Recht, aber nicht die Pflicht erwirbst!

1. Beispiel

  • Aktie X steht derzeit bei 250 EUR
  • Du wählst einen Long-Call mit einer Restlaufzeit von 90 Tagen und einem Basispreis von 255 EUR

Die Option ist derzeit also noch Out of The Money (OTM), da der Basispreis oberhalb des aktuellen Aktienpreises steht.

Durch den Kauf des Calls (Long-Call) erwirbst du nun das Recht 100 Aktien X in 90 Tagen zu 255 EUR zu kaufen. An dieser Stelle nochmal der Hinweis, dass eine Option in der Regel 100 Aktien des Basiswertes umfasst

Für den Long-Call zahlst du eine Optionsprämie von beispielsweise 500 EUR an den Verkäufer der Call-Option (Short Call), also an den Stillhalter.

Steigt der Aktienkurs nun während der Laufzeit auf z.B. 350 EUR an, so hast du das Recht 100 Aktien vom Stillhalter zu 255 EUR zu beziehen. Dein Gewinn würde sich damit theoretisch auf 9.000 EUR belaufen (350 EUR Kurs der Aktie – 255 EUR Basiswert = 95 EUR Kursgewinn x 100 Aktien = 9.500 EUR – 500 EUR Optionsprämie = 9.000 EUR). Aber aufgepasst: Was du hier unter keinen Umständen vergessen solltest ist, dass insbesondere der Zeitwert dazu führt, dass die Option mit Zeitablauf an Wert verliert! Insofern solltest du von deinem Recht nicht erst am Ende der Laufzeit Gebrauch machen, da mit fortschreitendem Zeitablauf der Zeitwert dazu führt, dass die Option exponentiell an Wert verliert. Es ist also nicht nur der Kursverlauf des Underlyings, der den Wert deiner Option beeinflusst. Das Ziel sollte es daher sein, den Long-Call nur so kurz wie möglich zu halten!

2. Beispiel

Sollte der Aktienkurs hingegen von 250 EUR auf z.B. 200 EUR während der Laufzeit fallen, dann verfällt deine Option wertlos. Eine Ausübung zu 255 EUR würde in diesem Fall keinen Sinn machen, da du die Aktien in diesem Fall günstiger, nämlich zu 200 EUR, an der Börse kaufen kannst. Dein Verlust beläuft sich damit also auf 500 EUR (Optionsprämie).

Solltest du dich nun fragen wie hoch der Basiswert steigen muss, damit du keinen Verlust mit der Option machst und mindesten Break-Even handelst, dann kannst du den Break-Even-Point wie folgt ermitteln:

Basispreis + (Prämie : 100 Aktien)

In unserem obigen Long-Call-Beispiel ermittelt sich der Break-Even-Point damit wie folgt:

255 EUR + (500 EUR : 100 Stk.) = 260 EUR

Damit müsste der Kurs des Underlyings also um ca. 2 % steigen, damit du mit deiner Option keinen Verlust machst.

Welche Laufzeit sollte ein Long-Call haben?

Da es Optionen mit unterschiedlichen Laufzeiten gibt, wirst du dich spätestens bei deinem ersten Kauf einer Call-Option fragen welche Laufzeit diese haben sollte.

Aufgrund des steigenden Zeitwertverfalls, insbesondere ab einer Restlaufzeit von 45 Tagen, solltest du vermeiden mit deiner Option in diesen Zeitraum zu kommen. Grob kannst du also die Laufzeit wie folgt festlegen:

45 Tage Restlaufzeit + gewünschte Haltedauer + Puffer = Restlaufzeit

Wenn du die Option also 30 Tage halten willst, kalkulier vorsorglich z.B. noch 10 Tage als Puffer hinzu. Dann kommst du auf folgende Optionslaufzeit:

45 Tage Restlaufzeit + 30 Tage gewünschte Haltedauer + 10 Tage Puffer = 85 Tage Restlaufzeit

Hierbei handelt es sich um eine mittlere Laufzeit. Solltest du eine kürzere Laufzeit haben wollen, so kannst du die o.g. 45 Tage Restlaufzeit durch 30 Tage Restlaufzeit ersetzen. Kürzer sollte die Restlaufzeit bei einem Long-Call, aufgrund des Zeitwertverfalls, jedoch nicht sein!

Short-Call

Beim Short Call handelt es sich um den Verkauf einer Kaufoption. Dies mag zunächst etwas verwirrend bzw. widersprüchlich klingen. Im Endeffekt handelt es sich hierbei jedoch um nichts anderes als den Vertragspartner des zuvor erklärten Long-Call.

Für einen Vertrag bedarf es in der Regel zwei Vertragsparteien. Eine Partei die etwas kaufen will und eine andere Partei die etwas verkaufen will, sonst kann kein Kauf zustande kommen. Der Short Call stellt also das Gegenstück zum Long Call dar.

Hierbei ist zu beachten, dass es sich beim Short Call um den Stillhalter hält, welcher vom Käufer der Kaufoption (Long Call) eine Optionsprämie erhalten hat und sich damit verpflichtet die Aktien zu liefern, wenn der Käufer der Kaufoption von diesem Recht Gebrauch machen möchte.

Der Verkäufer der Kaufoption (Short Call) darf unabhängig davon wie das Geschäft für ihn ausgeht die Optionsprämie behalten.

Put-Optionen

Long-Put

Der Käufer der Put-Option geht von einem fallenden Preis des Basiswertes aus. Er erwirbt das Recht einen bestimmten Basiswert zu einem vorher vereinbarten Preis und zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen. Auch hier ist nochmals zu erwähnen, dass der Käufer der Verkaufsoption (Long-Put) das Recht und die nicht die Pflicht erwirbt!

1. Beispiel

  • Der aktuelle Kurs des Basiswertes liegt bei 200 EUR
  • Der vereinbarte Basispreis (auch: Strikepreis) wird mit 190 EUR vereinbart
  • Die Restlaufzeit beträgt 85 Tage
  • Die Optionsprämie beträgt 150 EUR

Da der Basispreis des Puts erst noch unter die 190 EUR fallen, damit der Käufer der Put-Option hiermit Geld verdient, ist diese zu den oben genannten Konditionen noch Out of The Money (OTM).

Steht der Preis des Basiswertes am Ende der Laufzeit bei 150 EUR, muss der Verkäufer der Verkaufsoption (Short Put) vom Käufer der Verkaufsoption (Long Put) die Aktien zu 190 EUR abnehmen, obwohl diese an der Börse nur noch 150 EUR kosten. Für diese Verpflichtung hat er zuvor 150 EUR Optionsprämie vom Käufer der Verkaufsoption (Long Put) erhalten.

2. Beispiel

Steht der Preis des Basiswertes am Ende der Laufzeit bei 220 EUR, so verfällt die Option Wertlos. Der Käufer der Verkaufsoption (Long-Put) würde den Verkäufer der Verkaufsoption (Short-Put) nicht in die Pflicht nehmen die Aktien zu 190 EUR zu erwerben, wenn er diese an der Börse zu 220 EUR verkaufen kann.

Short-Put

Wie bereits bei den Call-Optionen erläutert, stellt auch hier der Verkäufer (der Verkaufsoption), also Short-Put, den Vertragspartner des Käufers (Long-Put) dar.

Der Verkäufer verpflichtet sich die Aktien vom Käufer zu einem bestimmten Preis abzunehmen, wenn der Preis des Basiswertes unter den zuvor vereinbarten Basispreis fällt. Hierfür erhält es vom Käufer der Put-Option eine Optionsprämie.

Auch hier darf der Verkäufer der Put-Option (Stillhalter), wie bereits beim Short-Call erläutert, die Optionsprämie in jedem Fall behalten, unabhängig davon wie das Geschäft für ihn am Ende der Restlaufzeit ausgeht.

Cash Secured Puts

Was ist ein Cash Secured Put?

Bei einem Cash Secured Put handelt es sich um den Verkauf einer Put-Option (Short Put). Der Verkäufer erhält hierfür vom Käufer eine Optionsprämie. Wichtig ist, dass der Verkäufer der Put-Option ausreichend Barmittel auf seinem Brokerkonto hat, um die Aktien „im Notfall“ kaufen zu können, sofern der Basiswert unter den vereinbarten Basispreis fällt. Daher spricht man von Cash Secured Puts. Es handelt sich also letztendlich um einen regulären Short Put bei dem ausreichend Barmitteln zum Erwerb des Underlyings zur Verfügung stehen.

Wieso Cash Secured Puts handeln?

Ein Cash Secured Put wird in der Regel von Investoren gehandelt, die den Short Put nutzen möchten um den Basiswert günstiger zu erwerben als dieser derzeit an der Börse gehandelt wird. Zumindest ist dies der Grundgedanke des Cash Secured Put. Mittlerweile wird der Cash Secured Put aber auch von Händlern verwendet um einen regelmäßigen Cashflow, durch den regelmäßigen Erhalt von Optionsprämien, an der Börse zu generieren.

1. Beispiel

  • Aktie X steht derzeit bei 50 EUR
  • Investor I hat Interesse an den Aktien, diese sind ihm derzeit jedoch zu teuer. Kaufinteresse hätte Investor I bei 45 EUR.

Da Investor I jedoch nicht warten möchte bis der Basiswert von 50 EUR auf 45 EUR gefallen ist, schreibt er nun Short Puts auf Aktie X mit Basiswert 45 EUR. Hierdurch erhält Investor I eine Optionsprämie in Höhe von 100 EUR und wird dadurch quasi für das warten bezahlt!

Fällt der Basiswert nun von 50 EUR auf 45 EUR, erhält Investor I wie gewünscht seine Wunschaktien zum Wunschpreis zuzüglich 100 EUR Optionsprämie für die Wartezeit!

Wichtig ist zu berücksichtigen, dass sich durch die Optionsprämie auch der Bezugspreis der Aktien verbessert hat. Investor I hat durch den Short Put 100 EUR Optionsprämie vereinnahmt. Da mit einer Option in der Regel 100 Aktien des Basiswertes gehandelt werden entspricht dies 1 EUR je Aktie des Basiswertes (100 EUR Optionsprämie : 100 Aktien = 1 EUR). Dadurch reduziert sich der Einstandskurs rechnerisch nochmals von 45 EUR je Aktie auf 44 EUR je Aktie!

2. Beispiel

Fällt der Aktienkurs jedoch nicht von 50 EUR auf 45 EUR sondern steigt z.B. auf 60 EUR bekommt Investor I die Aktien zwar nicht, dafür hat er jedoch eine Optionsprämie für seine Wartezeit in Höhe von 100 EUR erhalten. Nach Ablauf der Restlaufzeit der Option könnte Investor I nun einen neuen Short Put handeln und erneut eine Optionsprämie vereinnahmen und sich für`s Warten bezahlen lassen, bis der Kurs auf seinen Wunschpreis fällt.

Genau hier liegt auch der Vorteil eines Short Puts bzw. eines Cash Secured Puts gegenüber einer Limit-Order. Fällt der Kurs bei einer Limit-Order nicht bis auf den Limit-Preis, erhält man weder die Aktien noch Geld für seine Wartezeit in Form der Optionsprämie!

Covered Call

Was ist ein Covered Call?

Der Covered Call ist der Verkauf einer Kauf-Option. Hierfür erhältst du wie beim Cash Secured Put eine Prämie. Zudem hast du beim Verkauf der Kauf-Option 100 Aktien des Basiswertes im Depot, um diese dem Käufer liefern zu können sofern der Basiswert über den Basispreis steigt.

1. Beispiel

  • Aktie X steht derzeit bei 50 EUR.
  • Käufer K geht davon aus, dass die Aktie innerhalb der nächsten Wochen auf 70 EUR steigen wird.
  • Verkäufer V geht davon aus, dass die Aktie sich seitwärts bewegt oder fällt.
  • Käufer K kauft entsprechend einen Call (Long Call) und Verkäufer V verkauft deswegen einen Call (Short Call). 
  • Verkäufer V hat bereits 100 Aktien des Basiswertes in seinem Depot.
  • Der Basispreis beträgt 55 EUR.
  • Die Optionsprämie liegt bei 100 EUR.

Langfristig gesehen ist Verkäufer V von den Aktien X überzeugt. Da er jedoch davon ausgeht, dass sich Aktie X kurz- bis mittelfristig seitwärts oder abwärts bewegen wird, verkauft er einen Call, um Prämien zu vereinnahmen und so seine Rendite zu steigern.

Am Ende der Restlaufzeit der Option steht Aktie X nun bei 65 EUR. Verkäufer V ist nun dazu verpflichtet dem Käufer K 100 Aktien zu 55 EUR zu liefern obwohl die Aktie an der Börse zu 65 EUR gehandelt wird.

Schauen wir uns einmal an, was dies konkret bedeutet:

Aus Sicht von Verkäufer V:

  • Verkäufer V hat 100 EUR Prämie erhalten.
  • Verkäufer V hat 500 EUR Kursgewinn erzielt (100 Aktien von 50 EUR auf 55 EUR).
  • Sein Gewinn beläuft sich damit auf 500 EUR Kursgewinn + 100 EUR Optionsprämie = 600 EUR.
  • An der Kurssteigerung von 50 EUR auf 65 EUR konnte er damit jedoch nicht voll partizipieren.

Aus Sicht von Käufer K:

  • Käufer K hat 100 Aktien zu 55 EUR erhalten, die mittlerweile jedoch 65 EUR wert sind. Sein Kursgewinn beträgt damit 1.000 EUR (100 Aktien x 10 EUR Kursgewinn).
  • Für die Option musste er jedoch 100 EUR Optionsprämie zahlen.
  • Der Reingewinn beläuft sich damit auf 900 EUR.

2. Beispiel

Angenommen der Kurs entwickelt sich wie von Verkäufer V angenommen und steht am Ende der Restlaufzeit bei 52 EUR, dann verfällt die Option wertlos.

Was bedeutet dies für die beiden Vertragspartner?

Aus Sicht der Verkäufers V:

  • Verkäufer V hat 100 EUR Optionsprämie erhalten.
  • Seine 100 Aktien darf er behalten.
  • Seine Aktien sind von 50 EUR auf 52 EUR gestiegen. Der Kursgewinn beträgt damit 200 EUR.
  • Insgesamt hat Verkäufer damit einen Gewinn von 300 EUR (100 EUR Optionsprämie + 200 EUR Kursgewinn) erzielt.

Aus Sicht von Käufer K:

  • Käufer K hat 100 EUR Optionsprämie an Verkäufer V gezahlt.
  • Die Option ist wertlos verfallen. Damit hat er am Ende der Restlaufzeit keine Aktien erhalten.
  • Der Verlust von Käufer K beläuft sich damit auf 100 EUR, die er Verkäufer V in Form der Optionsprämie zahlen musste.

Warum Covered Calls handeln?

Wie du an den Beispielen gesehen hast, erhältst du beim Handel eines Covered Calls ebenfalls eine Prämie für Aktien die du bereits im Depot hast. Rein rechnerisch reduziert sich durch die vereinnahmte Optiosprämie damit also der Einstiegskurs zu denen du die Aktien selbst gekauft hast.

Beispiel

Angenommen du hast 100 Aktien zu je 100 EUR gekauft. Für einen Covered Call erhältst du 100 EUR Optionsprämie. Durch die vereinnahmte Optionsprämie von 100 EUR reduziert sich damit dein eigener Einstiegskurs rechnerisch also auf 99 EUR (100 EUR Einstiegskurs – 1 EUR Optionsprämie je Aktie = 99 EUR).

Durch einen Covered Call lässt sich dein Einstiegskurs in eine Aktie also rechnerisch reduzieren!

Weitere Gründe für einen Covered Call sind, dass du mit deinen Aktien selbst von Seitwärtsphasen profitieren kannst, da du hier Optionsprämie vereinnahmst ohne die Aktien dem Käufer der Call-Option liefern zu müssen. Auch bei einem fallenden Kurs des Basiswertes lässt sich der Kursverlust des Basiswertes durch das Vereinnahmen der Optionsprämie abmildern!

 

Das war es soweit erstmal zu den Grundlagen des Optionshandels. Ich hoffe der Beitrag konnte dir zumindest für den Anfang einen groben Überblick über den Optionshandel verschaffen. Sollte dein Interesse geweckt sein, findest du weitere Informationen über den Optionshandel auf meinem Blog.