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Optionshandel

LEAP-Optionen: Wenn es eine höhere Optionsprämie sein soll…

Zu Beginn meiner „Trading-Karriere“ war ich sehr kurzfristig ausgerichtet. Trading hieß für mich „Scalping im Minutenchart“, je mehr Märkte gleichzeitig desto besser.

Und um den ganzen noch die Krone aufzusetzen, habe ich natürlich (wie soll es als Anfänger auch anders sein) Indikatoren als Einstiegssignal genutzt.

Ich war der festen Überzeugung, dass es einen heiligen Gral geben muss. Ich müsste nur den richtigen Indikator finden, diesen mit einem weiteren Indikator kombinieren und schon kann das Gelddrucken losgehen.

Etwas Schamgefühl ist schon dabei, während ich diese Zeilen schreiben… Wie du dir denken kannst, ist der Plan nicht aufgegangen.

Einer der größten Irrtümer war zu glauben, dass man die kurzen Zeiteinheiten handeln muss, um „viel Geld“ zu verdienen. Letztendlich bekommt man ja schon in Kindheitstagen beigebracht, dass man viel Arbeiten muss um viel Geld zu verdienen. Also bin ich davon ausgegangen, dass es im Trading auch so ist… Ein Trugschluss!

Nach Jahren des Ausprobierens verschiedener Indikatoren, unterschiedlicher Zeiteinheiten und Märkten habe ich meinen „Handelsansatz“ komplett über den Haufen geworfen. Wie ich heute sagen kann: zum Glück!

Neben dem Swingtrading auf Basis von Fundamentaldaten in Kombination mit der Chartanalyse betreibe ich heute überwiegend den Optionshandel als Stillhalter. Auch hier gilt, wie du gleich anhand von LEAPs sehen wirst, dass man kurzfristig nicht zwingend mehr verdient als langfristig. Aber kommen wir zum Wesentlichen dieses Beitrags:

Was sind LEAPs?

LEAPs sind nichts anderes als sehr lang laufende Optionen. Die Abkürzung steht für

Long Term Equity Anticipation Security

LEAPs haben Restlaufzeiten von einem Jahr und mehr. Insofern nichts für den kurzfristig orientierten Trader…

Ansonsten unterscheiden sich LEAPs nicht sonderlich von „regulären“ Optionen, wie ich sie sonst handle, um Optionsprämie zu generieren. Es gibt hier genauso Short Calls, Short Puts sowie auch Long Calls und Long Puts, mit denen du an der Entwicklung des Basiswertes partizipieren könntest. Lediglich die Anzahl an Strikes ist bei LEAPs teilweise geringer.

Aufgrund der längeren Laufzeit und dem damit einhergehenden höheren Risiko ist natürlich auch die Optionsprämie, die hier vereinnahmt werden kann, höher:

  • Ein 45er Put auf Hugo Boss mit 38 Tagen Restlaufzeit bringt aktuell ca. 57 EUR Optionsprämie.
  • Ein 44er Put auf Hugo Boss mit 521 Tagen Restlaufzeit bringt aktuell ca. 467 EUR Optionsprämie.

Wieso LEAPs handeln?

An sich gibt es nicht DEN einen Grund, wieso LEAPs nicht uninteressant sind. Es kommt auch immer drauf an welches Ziel du mit dem Optionshandel verfolgst. Die Gründe die mir in den Sinn kommen, weshalb man LEAPs handeln sollte, sind die nachfolgenden:

  1. LEAPs sorgen für eine hohe Optionsprämie. Solltest du ausschließlich an der Optionsprämie interessiert sein, ohne den Basiswert jemals erhalten zu wollen, so erhältst du mit LEAPs eine höhere Optionsprämie, als wenn du eine Option mit einer kurzen Restlaufzeit verkaufst. Aber Achtung: Du solltest hier die Jahresrendite berücksichtigen und nicht ausschließlich auf die absolute Prämie schielen. Unter Umständen kann es vorteilhafter sein mehrere kurzlaufende Optionen (anstelle eines LEAP) zu verkaufen.
  2. Die hohe Optionsprämie eines LEAP senkt deutlich den durchschnittlichen Einstiegspreis, wenn dir der Basiswert eingebucht wird.
  3. Durch die lange Laufzeit eines LEAP brauchst du weniger zu handeln, wodurch die Gebühren niedriger ausfallen.
  4. Gleiches gilt für das Rollen. Auch dieses ist deutlich seltener erforderlich…

Das sind zumindest die Gründe die mir einfallen, wenn es um LEAP-Optionen geht…

Wann sollte man am besten LEAPs handeln?

Generell handle ich lediglich Optionen auf Aktien die ich mir auch einbuchen lassen würde. Dies sind in der Regel Aktien von Unternehmen, die aus fundamentaler Sicht interessant sind. Die Charttechnik verwende ich hierbei lediglich für den Einstieg in einen Wert.

Habe ich solch ein Unternehmen identifiziert, warte ich auf einen geeigneten Einstieg. Meist verkaufe ich dann Optionen mit einer Restlaufzeit von 30 bis 45 Tagen.

Gab es nun jedoch einen stärken Rücksetzer des Gesamtmarktes oder gar einen größeren Crash wie zu Beginn der Corona-Pandemie, eignen sich LEAPs natürlich hervorragend, um dem Basiswert ausreichend Zeit zu geben sich wieder zu erholen. So hat Warren Buffet auf dem Hoch der Finanzkrise Put-Optionen auf verschiedene Indizes mit einer sehr langen Restlaufzeit verkauft. 10 Jahre später hat ihm dies einen Gewinn von 2,4 Milliarden USD eingebracht!

LEAPs statt Aktien?

Neben dem Verkauf von Optionen mit einer langen Laufzeit kannst du natürlich genauso gut Optionen mit einer langen Laufzeit kaufen, um an der Kursentwicklung des Basiswertes zu partizipieren.

Der Vorteil ist natürlich, dass das Investment für die Optionsprämie niedriger ist als wenn du direkt 100 Aktien des Basiswertes kaufen würdest.

Problematisch wird es jedoch, wenn sich der Basiswert nicht so entwickelt wie von dir prognostiziert und (mindestens) der Break-Even nicht erreicht wird. Im schlimmsten Fall verlierst du also deine gezahlte Optionsprämie.

Ein weiterer Nachteil ist, dass du im Gegensatz zum direkten Erwerb der Aktien nicht Dividendenberechtigt bist. Ob der Kauf von LEAPs, um damit an der Kursentwicklung vom Basiswert zu partizipieren, ist letztendlich Geschmackssache und eine Frage des Handelsstils.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass LEAPs durchaus ihre Berechtigung haben. Insbesondere im Fall des nächsten Crash werde ich hier verstärkt mein Augenmerk drauf legen.

2 Antworten auf „LEAP-Optionen: Wenn es eine höhere Optionsprämie sein soll…“

Kann man machen. Hat bestimmt auch seine Daseins-Berechtigung.
Aber der Zeitwertverfall ist bei Optionen zw. 30 und 45 Tagen am höchsten. Und davon profitiert der Stillhalter!
Während eines LEAP´s kannst du 13,7x (512 Tage : 38 Tage) einen Monatsverfall (38 Tage) deines Beispiels verkaufen.
13 Verkäufe x 57 Euro Prämie = 741 Euro
Mehrgewinn gegenüber einem LEAP: 274 Euro

Ich handle weiter die monatlichen Shortputs /-calls.

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